ENVIV | Das neue Buchprojekt von Dirk von Gehlen

Gespräch mit Tino Kreßner von Startnext

ENVIV ist ein Experiment. Deshalb wird es am Ende nicht nur das Buch “Eine neue Version ist verfügbar” geben, ich will in einer Dokumentation auch Lehren aus dem Experiment zusammenfassen: Was hat gut funktioniert? Was würde ich beim nächsten Mal anders machen? Dafür habe ich zahlreiche Recherche-Gespräche dokumentiert und meine Erfahrungen notiert. Die Dokumentation ist ein Teil des Crowdfunding-Projekts. Um einen Einblick in diese Dokumentation zu geben, veröffentliche ich hier vorab eine gekürzte Version des Interview, das ich mit Tino Kreßner von Startnext geführt habe.

Die volle Fassung des Gesprächs ist im Dankeschön-Paket Backstage-Blick enthalten.


Anders als bei Kickstarter fließen bei Startnext keine verpflichtenden Provisionen. Als Starter muss ich auch keine Gebühren zahlen. Was ist euer Geschäftsmodell bei Startnext?

Es gibt zum einen eine freiwillige Abgabe, die man mit einem Schieberegler einstellen kann, wenn man ein Projekt unterstützen möchte …

… machen das viele Leute?
Aktuell sind es ca. 5 Prozent der Fundings, die gegeben werden. Damit finanzieren wir die Projektbetreuer und die Serverstruktur. Darüber hinaus stellen wir die Technologie von Startnext anderen Partnern zur Verfügung. Als Sub-Plattform von Startnext gibt es so zum Beispiel dresden-durchstarter.de, eine Crowdfunding-Plattform für die Stadt Dresden. Und die dritte Finanzierungsquelle sind Premium-Produkte, die wir den Startern anbieten.

Was ist das genau?
Das sind Zusatzleistungen, die man kostenpflichtig hinzu buchen kann. Das sind Web-to-Print-Produkte wie zum Beispiel Aufkleber und Postkarten. Gerade neu sind die Dankeschön-Karten mit einem QR-Code drauf.

Ihr bietet aber auch eine Premium-Beratung an.
Jedes Projekt bekommt eine Standard-Projekt-Beratung. Wer aber richtig mit uns in die Kampagnen-Planungen gehen und auch mal in ein Meeting kommen will, der kann eine Premium-Beratung buchen. Das läuft ganz langsam an, mittel- bis langfristig denke ich aber, dass sich viele Servicedienstleister andocken werden, die die Beratungsfunktionen wie Steuer-Beratung oder Kampagnen-Beratung übernehmen, so dass wir uns auf die Plattform-Funktionen konzentrieren können.

Wer bräuchte denn eine solche ausführlichere Beratung?
Entscheidend ist der Background des Projektstarters. Es gibt Projektstarter, die schon eine eigene Social-Media-Community haben, die selber in Facebook aktiv sind und die das Prinzip Crowdfunding schnell verstehen und damit umzugehen wissen …

… worin besteht dieses Prinzip?
Wir sagen immer Crowdfunding ist ein Social-Media-Instrument zur Finanzierung von Projekten. Das heißt es geht darum, den Dialog mit denjenigen zu suchen, die das Projekt unterstützen. Und es geht darum, mit den Social-Media-Instrumenten umzugehen. Wer das kann, der ist beim Crowdfunding schnell gut dabei. Der versteht, warum man transparent sein muss, warum man authentisch kommunizieren muss und auf Augenhöhe in den Dialog gehen muss. Dem muss man auch nicht ausführlich erläutern, warum man Videos und Bilder draufstellen muss.

Und was ist mit denen, die das nicht können?
Das ist rund ein Drittel derjenigen, die auf der Plattform Projekte starten wollen. Die müssen sich erst eine Community aufbauen. Und dabei helfen wir, wenn jemand eine Crowdfunding-Kampagne starten will.

Welche Hürden gibt es, wenn man ein Projekt starten will?
Die erste Hürde ist, dass wir alle Starter verifizieren. Das geht zum einen über ein Post-Ident-Verfahren und über die Verknüpfung mit einem deutschen Konto. Das ist rechtlich notwendig, das ist aber für jeden Unterstützer auch ein Nachweis, dass die Menschen hinter den Projekten tatsächlich existieren.

Dazu braucht man als Projektstarter ein Konto bei der Fidor Bank?
Als Starter muss man ein solches E-Geldkonto eröffnen. Die ganzen Gelder werden treuhänderisch von der Fidor Bank verwaltet, bei Projekterfolg wird das Geld dann freigegeben. Der ganze Prozess ist gemeinsam mit der Fidor Bank entwickelt worden.

Und zusätzlich muss man sich dann noch mal legitimieren?
Ab einem Geldbetrag von 2500 Euro muss man ein erweitertes Verifizierungsverfahren durchlaufen. Und da es theoretisch auch bei einer gewünschten Funding-Summe von 500 Euro möglich ist, dass dieser Betrag erreicht wird, muss man sich über das Post-Ident-Verfahren verifizieren. Dieses Verfahren muss bis zum Start der Finanzierungsphase abgeschlossen sein.

Reden wir kurz über die Funding-Höhe. Habt Ihr diesbezüglich Erfahrungen was den Erfolg von Projekten angeht?
(…)
der folgende Teil ist gekürzt, die Langfassung gibt es im Backstage-Blick
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Ich habe all das abgewogen und überdacht. Welcher Tag ist gut, um ein Projekt zu starten? Ich kenne Zahlen von euch wonach der Dienstag besonders geeignet sei …
Das hat den Hintergrund, dass die meisten Projekte am Wochenende angelegt werden und dann am Montag von uns geprüft werden. Dadurch ist der Dienstag der aktivste Tag auf Startnext. Aber ich denke, dass Mittwoch und Donnerstag psychologisch genauso funktionieren. Zum Wochenende hin wird es aber sicher schwieriger. Aber dazu müsste man noch mal eine eigene Studie machen.

Und wann soll das Projekt enden?
Die Projekte enden jeweils um 23.59 Uhr an dem Tag, den man auswählt. Und als Endpunkt würde ich immer einen Wochentag wählen, nicht das Wochenende. Denn da sind die Besucherzahlen geringer und die Leute geben am Wochenende ihr Geld für andere Dinge aus.

Nehmen wir an, das Projekt läuft jetzt ganz gut. Ab wann muss ich als Starter nervös werden?
Ich kann mich an kein Projekt erinnern, was bei über 70 Prozent noch gescheitert ist. Die meisten Projekte scheitern in den ersten 20 Prozent, d.h. die meisten, die scheitern, haben dann nicht mehr als 20 Prozent der Funding-Summe erreicht. Das ist statistisch gesehen eine Erfahrung, aus der man vielleicht ablesen kann: Wenn man auf die 40 Prozent zugeht, kann man sich innerlich schon ein bisschen freuen.

Startnext funktioniert nach dem alles-oder- nichts-Prinzip. Passiert es, dass wenn einem Starter noch wenige Prozent fehlen, er sich das am Ende noch selbst bezahlt?
Wir können nicht verhindern, dass am Ende die Oma oder der Bruder des Starters noch Geld reinwirft. Das kann man auf keiner Plattform ausschließen. Die Frage ist aber, wie man damit umgeht. Denn wenn ich den Betrag wirklich brauche, fange ich an, mich selber auszubeuten, wenn ich mich an der Stelle verarsche. Und die Community fragt sich am Ende auch, woher solche Sprünge kommen. Man muss sich also die Fragen nach der eigenen Reputation im Netz stellen.

Technisch kann man aber sein eigenes Projekt unterstützen.
Ja, das kann man, aber nicht über 50 Prozent. Denn es kommt oft vor, dass jemand auf Veranstaltungen Geld einsammelt und es auch in den Topf legen will.

Dann sollte man das als Starter aber transparent machen.
Unbedingt. Wir empfehlen bei allen Geld-Prozessen transparent zu bleiben. Es kann ja sein, dass man ein Sponsoring von einem Unternehmen bekommt. Dann muss man das aber im Namen des Unternehmens offen legen.

Nehmen wir an, dass ein Projekt erfolgreich ist. Wann bekommt man das Geld und mit welchen Abzügen muss man rechnen?
Man bekommt das Geld, wenn die Summe mit Ablauf der Frist erreicht ist. Abgezogen werden dann einzig Paypal-Gebühren. Das Funding selber wird und soll immer kostenfrei für den Projektstarter bleiben.

Dann habe ich das Geld. Was muss ich dann bei der Steuer bedenken?
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Der Schluss des Gesprächs ist gekürzt, die Langfassung gibt es im Backstage-Blick

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Das Interview (in einer langen Fassung) ist Bestandteil des Dankeschöns Backstage-Blick, in dem ich die Erfahrungen aus dem Projekt sammle und zur Verfügung stelle. Darin wird auch erklärt, warum ich mich für Startnext entschieden habe, welche Druckerei ich wähle und welche Maßnahmen welche Wirkung erzeugt haben.

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